Das Elend der anderen

Re: Wenn gute Erzieher-Herzen an ADHS verhärten

Die Dokumentation „Zappelphilipp“ scheint ein trauriger Film zu sein, welcher dem Artikel „Wenn gute Erzieher-Herzen an ADHS verhärten“ zufolge bei der Problembeschreibung stehenbleibt.

Einfach nur darzustellen, wie sehr die Pädagogik und die Erziehenden bei diesem Phänomen überfordert sind, reicht schon lange nicht mehr aus.
Das ist bekannt.
Wer das noch nicht erkannt hat, läuft meines Erachtens blind durch die Welt.

Die Unfähigkeit, bemerkenswerte Lösungsansätze zu entwickeln, und die gefühlsduslige, aber scheinbar hilflose Empathie der filmischen Inszenierung sind in meinen Augen eine Frechheit und verspotten das harte Schicksal der Betroffenen.
Es wird vorgegeben „sensibilisieren“ zu wollen, jedoch handelt es sich im Wesenskern wohl eher um ein emotionales Schauspiel zur Selbstbefriedigung und „Belustigung“ der gaffenden Spaßgesellschaft.

Wer solche schwierigen Themen aufarbeitet und das Publikum derartig in die Hoffnungslosigkeit entlässt, erreicht genau das, was nicht passieren sollte: die Zuschauer reagieren mit einem Achselzucken und wenden sich ab.
Es bleibt bei ihnen in Erinnerung: So ist das nun einmal mit den Zappeljungs. Sie sind hoffnungslose Fälle, die vermutlich auf der Sonderschule oder im steinzeitlichen Wald wie Kaspar Hauser am besten aufgehoben sind.

Wer Geschichten erzählt ohne Lösungen anzubieten, liefert in meinen Augen ein halbfertiges Werk, eine Mogelpackung ab.
Im Grunde wird so besehen das Publikum betrogen, welches sich den Film auf der Suche nach Lösungen und Inspiration anschaut und am Ende die Botschaft mit auf den Weg bekommt: Hat vermutlich sowieso keinen Sinn.
Ist es nicht irgendwie menschenverachtend, sich derartig mit der Zurschaustellung von tragischen Schicksalen abendfüllend zu unterhalten oder gar zu amüsieren???

2 Responses to “Das Elend der anderen”

  1. Auceza sagt:

    Ja. Es wäre schön, wenn die Prophezeiungen der Celestine eintreffen könnten. :)

  2. Gast sagt:

    OHne den Film gesehen zu haben: In der heutigen Gesellschaft ist weder für Familie noch für Kinder Raum – und so verkümmern diese sensiblen Wesen eben. Das äußerst sich dann in AHDS.

    In einer gesunden Gesellschaft ist jederzeit für jedes Kind mindestens ein Erwachsener da. Ständig. Das Kind wird dabei von Anfang an in die Welt integriert, anstatt es erstmal in Krippen & Co. abzustellen. Ruhigstellen geht wohl immer schwerer.

    Eine solche ideale Welt ist schön geschildert in den „Prophezeiungen der Celestine“.

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