Die Gedanken sind frei

Re: Arbeit ohne Arbeiter
Das Ende der kapitalistischen Arbeitsorganisation ist absehbar. Der Kapitalismus zerstört sich selbst, indem er die Menschen vernichtet.
Nun stellt sich die Frage, welche Art von Arbeitsorganisation unsere Zukunft bestimmen wird.

Im Rahmen der kapitalistischen Arbeitsorganisation wird davon ausgegangen, dass sich Arbeit immer sinnvoll und rationalistisch strukturieren lässt. Seinerzeit hat Adam Smith mit seinem Stecknadel – Beispiel überzeugend belegen können, dass eine effektive, rationale Arbeitsorganisation die Produktionsmenge beträchtlich erhöhen kann.

In der Annahme, dass nicht nur Stecknadeln sondern prinzipiell jede Form menschlicher Aktivität rational organisiert werden kann, erfolgte schließlich eine Ökonomisierung aller Lebensbereiche. Dies geschah in der Erwartung, dass dadurch der Mangel an lebensnotwendigen Gütern vollends überwunden werden könnte.
Darüber hinaus wurde anhand von marktwirtschaftlichen Modellen vorgerechnet, dass mittels Angebot und Nachfrage ein Optimum des gesellschaftlichen Wohlstands theoretisch realisierbar ist.

Diese liberalen und neoliberalen Überlegungen sind nicht falsch, der Kapitalismus auch nicht an sich menschenverachtend, die rationale Organisation von Arbeit ebenfalls nicht.

Allerdings gibt es Grenzen. Die kapitalistische Arbeitsorganisation sowie die gesamte ökonomische Theorie haben nur einen Geltungsbereich für alles Messbare. Jedoch entziehen sich viele Dinge unserer Lebenswelt der Messbarkeit. Es ist sogar so, dass sie durch die kommerzielle MacDonaldisierung zerstört werden.
Obgleich Fastfood in höchstem Maße effizient hergestellt werden kann, ist es ungesund. Sofern Liebe käuflich und damit zur Prostitution wird, verliert sie ihre Ehrlichkeit und ist auch keine Liebe mehr.
Vielen Produkten der kapitalistischen Arbeitsorganisation kommt auf diese Weise sukzessiv der immanente Wert abhanden. Schließlich sind sie nur noch Plastikschrott.

Der Mensch zeichnet sich durch eine hohe Komplexität aus. Dadurch, dass das Menschliche rational zerlegt und zerstückelt wird, wird es in seinem Wesentlichen zerstört. Dies ist der Grund, warum die Bevölkerungsmehrheit immer unzufriedener wird mit den Ergebnissen der fortschreitenden Ökonomisierung.
Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.
Die kapitalistische Arbeitsorganisation entfremdet den Menschen von sich selbst und vernichtet ihn schließlich scheibchenweise, wenn sie zu weit getrieben wird.

Sofern der Kapitalismus damit beginnt den Menschen selbst „aufzufressen“, kann die eigentliche Zielsetzung nicht mehr erreicht werden. Es wird nicht mehr Wohlstand geschaffen sondern vorhandener Wohlstand ruiniert, weil Wohlbefinden subjektiv und nicht objektivierbar ist. Ohne konsumierendes, wahrnehmendes Subjekt existiert Wohlstand nicht.

Das Vernichtungswerk des Kapitalismus ist überall erkennbar. Mittels rationalistischer Arbeitsorganisation zerstörte die Agrarwirtschaft die Natur. Aufgrund entfremdeter Arbeit wird letzten Endes auch der Konsument vernichtet.
Damit wird das kapitalistische System beziehungsweise die Plutokratie wertlos.

Für lange Zeit begründete und legitimierte die rationalistische Philosophie den Neoliberalismus sowie die kapitalistische Gesellschaftsordnung. Die Rationalisten sind noch immer davon überzeugt, dass am Ende alles wissenschaftlich erfasst und effektiv kontrolliert werden kann.

Diese Weltanschauung wurde schon philosophisch sowie wissenschaftstheoretisch widerlegt. Letzten Endes scheitert der akademische Rationalismus an der Komplexität der Welt.
Die „pseudo-wissenschaftlichen“ Modelle werden immer komplexer und damit auch störungsanfälliger. Schließlich überschaut niemand mehr aufgrund der begrenzten Rationalität des Menschen die rational dargelegten Einzelphänomene in der Gesamtheit.
Somit versagt jedes rationalistische System in letzter Konsequenz. Das Wesentliche der Welt und auch des Menschen kann nicht mit Zahlenmaterial korrekt wiedergegeben werden. Auch eine Annäherung an eine absolute, allgemeingültige Wahrheit ist unmöglich.
Die Welt bleibt irrational.
Die Gedanken sind frei.

So wie die auf dem Rationalismus basierende akademische Wissenschaft scheitert, versagt auch die davon abgeleitete, rationalistische Arbeitsorganisation des Kapitalismus.

Der Mensch ist ein soziales Wesen und kann nur in der Gemeinschaft überleben. Er ist den Tieren als „Mängelwesen“ unterlegen und würde ohne den „Astronautenanzug“ Kultur im darwinistischen Wettkampf untergehen. Unsere zum Überleben erforderliche Kultur kann nur dann erhalten werden, wenn es gelingt, so vielen Bürgern wie möglich die Existenz zu sichern. Dabei geht es nicht um die nackte Existenz, sondern um ein Leben in Wohlstand und Zufriedenheit. Jeder Bürger ist unschätzbar wertvoll.

Erst unter diesen Bedingungen können die Menschen die ständig notwendige Reparatur des „Astronautenanzugs“ Kultur vollziehen.
Dazu bedarf es keiner Peitsche, weil jeder aufgrund seines Überlebenswillens ständig bemüht ist, die Funktionsfähigkeit der Gemeinschaft sicherzustellen.

Die darwinistische Vorstellung von „Lebensuntüchtigkeit“, biologischer Minderwertigkeit usw. im Vergleich der Menschen untereinander funktioniert nicht mehr. Der homo sapiens ist auf jeden Fall ein „Mängelwesen“ und immer „lebensuntüchtig“, biologisch minderwertig usw., wenn er ohne Kultur ist.
Mit der weitreichenden Ablösung des Menschen von den natürlichen Umweltbedingungen mittels der Kultur hat der evolutionsbiologische Aspekt seine Bedeutung verloren.

Die Notwendigkeit, die Kultur zu erhalten, zwingt uns zur Kooperation. Wir müssen zusammenarbeiten, um die Kultur ständig auf dem Wege von Innovation zu reparieren und den varriierenden Umweltbedingungen anzupassen.
Deshalb ist in letzter Konsequenz nur bei oberflächlicher Betrachtung der wettbewerbsorientierte Kapitalismus für unseren Wohlstand verantwortlich. Tatsächlich ist die Quelle unseres Wohlstandes die friedliche Kooperation, welche erst durch demokratische Verhältnisse ermöglicht wird.

Die kapitalistische Arbeitsorganisation ist der demokratischen im Endeffekt unterlegen. Es kann nur auf der Basis von Kooperation gelingen, die Kultur in der Gesamtheit zu erhalten und weiterzuentwickeln.
Vertrauen ist mächtiger und effizienter als Kontrolle.
Dies wird uns nun mit dem Scheitern des Kapitalismus bewusst. Die zahllosen Widersprüche des marktwirtschaftlichen Wettbewerbs treten offen zu Tage.

Bei der demokratischen Arbeitsorganisation ist allen Bürgern das Überleben weitreichend garantiert. Darüber hinaus ist für alle Bürger ein Leben in Wohlstand sicherzustellen – unabhängig von der messbaren Produktivkraft des Einzelnen. Des Weiteren verlieren in diesem Zusammenhang auch die mechanischen sowie statischen Hierarchien beispielsweise in den Unternehmen an Bedeutung.
Die hohe Komplexität der Kultur macht jeden Menschen zum Schmetterling und die wahre Bedeutung des Individuums bleibt für immer unbekannt. Daraus resultiert notwendiger Weise ein tiefer Respekt vor den Mitmenschen, denn niemand kann in unserer äußerst komplexen Welt die Macht und Einflussmöglichkeiten seines Gegenübers angemessen einschätzen.

Die demokratische Arbeitsorganisation widerspricht nicht dem Kapitalismus sondern vollendet und veredelt ihn. Erst auf der Basis einer demokratischen Kooperation wird der rationale Arbeitsprozess vernünftig. So begrenzt die Demokratie den Kapitalismus immer in sinnvoller Weise.
Dazu muss allerdings das Primat der Demokratie gegenüber der kapitalistischen Plutokratie durch Verfassung und gesellschaftliche Ordnung garantiert sein. Hierbei ist die vielfach gelobte „soziale Marktwirtschaft“ ein erster Schritt in die richtige Richtung.

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Empfohlene Quellen:
auceza: Plutokratie
auceza: Informationsgesellschaft
auceza: Ego
auceza: Die Lügen des Neoliberalismus
auceza: Democracy rules
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