Ethik und Management

— Greed is good??? —

Ab 2007 intensivierte sich mit dem Beginn der Finanzkrise die Diskussion über Ethik im Management.

Manche Experten vermuten, dass Managern gute moralische Maßstäbe fehlen könnten. Darin wird eine Ursache für die Entstehung der aktuellen Weltwirtschaftskrise gesehen.

Handeln Manager wirklich ohne Moral???
Gibt es eine gute Ethik für Manager???

Zunächst einmal bleibt festzuhalten, dass jeder vernunftbegabte Mensch moralische Grundsätze des Handelns hat. Die Ethik des Einzelnen resultiert aus dem bevorzugten Weltbild, also der vertretenen Lebensphilosophie.
Ein halbwegs konsistentes Weltbild ist eine wichtige Voraussetzung zur erfolgreichen Orientierung innerhalb der Gesellschaft.
Jedes Weltbild impliziert wiederum eine spezifische Ethik.

Nun ist es leider so, dass einige Menschen Schwierigkeiten haben, sich in unserer schillernd bunten Kultur zu orientieren und dementsprechend ist ihre Ethik auch mangelhaft entwickelt.
Des Weiteren reflektieren viele Menschen die eigene Lebensphilosophie recht selten, so dass ihnen auch das Bewusstsein für ihre persönlichen Moralvorstellungen fehlt.

Im Rahmen der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung und Praxis werden ziemlich selten größere Weltzusammenhänge berücksichtigt, weil vorwiegend nur jene Erkenntnisse als interessant gelten, welche sich möglichst schnell in Geldeinheiten umrechnen lassen.
Auch vermeiden Wirtschaftsexperten meistens ganzheitliche Denkansätze, weil an den Hochschulen gerne nur das jeweils eigene Fachgebiet besprochen wird.
So wie beispielsweise der Nacktmull vorwiegend nur sein unterirdisches Reich kennt, bescheidet sich der Ökonom fast ausschließlich mit einem kleinen Ausschnitt der Realität. 😉
Darum hat das Weltbild der Ökonomen einen eher fragmentarischen Charakter. Logischer Weise sind deshalb auch ihre Ethikvorstellungen relativ unterentwickelt.

Dies ist das Ergebnis der voranschreitenden fachlichen Spezialisierung, welche jedoch nicht nur in den Wirtschaftswissenschaften anzutreffen ist, sondern in zahlreichen akademischen Disziplinen: Die Akademiker klammern regelmäßig wesentliche philosophische Fragestellungen aus, weil sie ihnen fachgebietsfremd erscheinen.

Von daher haben die Wirtschaftswissenschaftler eine sehr spezielle Sicht auf die Welt entwickelt, welche primär durch neoliberales Denken, das Menschenbild des homo oeconomicus usw. geformt wurde.
Der Ökonom kann im Prinzip keine andere Ethik gewinnen so lange er an den herrschenden Paradigmen des rationalistischen Neoliberalismus festhält.
Sofern sich tatsächlich ein Ethik-Wandel vollziehen soll, müsste die gesamte ökonomische Lehre überdacht werden. Dabei sind die moralischen Fragen nicht sinnvoll trennbar von den Fragen der Erkenntnistheorie, der Anthropologie sowie der Religionsphilosophie und können nicht unabhängig von diesen Themengebieten beantwortet werden.

Wenn nun im Bereich der Unternehmensführung als unethisches Handeln falsches beziehungsweise schädliches Handeln verstanden wird, dann ist letzten Endes die sozialdarwinistisch geprägte, neoliberale Theorie falsch. Sie begründet das Verhalten der Manager.
Das Widerlegen dieser Weltanschauung ist jedoch sicherlich nicht mit einem Aufbauseminar „Ethik für Manager“ erledigt, sondern bedarf eines tiefgreifenden Umdenkens innerhalb der Wirtschaftswissenschaften.

Es ist sinnlos, der Wirtschaft eine neue Moral zu verordnen sofern sich das gesamte Wirtschafts- und Gesellschaftssystem nicht verändert. Jede derartig verordnete Ethik würde an der kapitalistischen Realität scheitern. Wer die fragwürdige Ethik der Ökonomen überwinden will, muss den Kapitalismus überwinden.

Nebenbei bemerkt hat schon recht früh der berühmte Soziologe Max Weber unterschiedliche Moralvorstellungen miteinander verglichen. Er glaubte, dass die protestantische Ethik besonders gut mit dem Kapitalismus harmonisiert.
Wenn dies tatsächlich stimmen würde, dann wären viele Top-Kapitalisten der Gegenwart tiefreligiöse, fromme Protestanten, was jedoch vermutlich nicht zutrifft. Wenn Max Weber recht gehabt hätte, hätten wir heute keine Ethik-Debatte im Managementbereich und die Kirchen keine finanziellen Sorgen. 😀

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass die Diskussion um eine verbesserte Managementethik bzw. Unternehmensphilosophie fruchtlos ist so lange das neoliberale Weltbild aufrecht erhalten wird.
Das beklagte Fehlen von guten ethischen Handlungsmaßstäben bei den Managern zeugt davon, dass der Kapitalismus gescheitert ist.

Nachdenkliche Grüße, Eure Auc

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One Response to “Ethik und Management”

  1. Dorian sagt:

    Guter Post. Sicher kein Fehler, sich mit der Thematik detailierter zu befassen. Werde sicher die nächsten Posts verfolgen.

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