Ich konsumiere, also bin ich.

Seinerzeit versuchte Descartes das menschliche Selbst zu bestimmen. Er trennte dabei zwischen der denkenden Substanz, dem Selbst, und der bloß ausgedehnten Substanz, der Sache. Mit dieser Trennung fundierte er seinen Rationalismus und legitimierte die schonungslose Ausbeutung der objektivierten Welt. Heute wird sogar das menschliche Subjekt selbst zunehmend als ausgedehnte Substanz aufgefasst. So definiert sich bereits unsere Jugend vorwiegend als konsumierendes Objekt.

Descartes gilt als Begründer des philosophischen Rationalismus. In der Folge kam es zur Säkularisierung. Den Rationalisten erscheint die Welt jenseits ihres eigenen Selbst als eine mit mechanistischen Prinzipien kontrollierbare Ansammlung von Substanzen. So wird angenommen, dass die Welt mit Hilfe der Offenlegung aller kausalen Beziehungen zunehmend besser durch den Menschen beherrscht werden kann.

Auf der Grundlage der cartesianischen Lehre kam es zu einer Blüte der Wissenschaft. Insbesondere die gesamte Kulturwissenschaft – von soziologischen bis hin zu ökonomischen Theorien – wird noch heute maßgeblich von Descartes Weltanschauung bestimmt.

Die wachsende Bedeutung cartesianischer Weltauffassung wird als Prozess der „wissenschaftlichen“ Objektivierung angesehen und kennzeichnet im Wesentlichen die akademische Dogmatik der Gegenwart.
Nur jenes wird als wissenschaftlich, als vernünftig, als richtig akzeptiert, welches sich in irgendeiner Form mit Kausalität erklären lässt.

Die fortschreitende rationalistische Objektivierung der Welt brachte zunächst materiellen Wohlstand.
Allerdings gibt es auch schwerwiegende Fehlentwicklungen. Die zahlreichen Nebeneffekte des kontrollierenden Einflusses auf „wissenschaftlicher“ Basis erweisen sich zunehmend als nicht mehr beherrschbar. Deshalb entstanden massive Umweltzerstörungen, es vollzog sich eine Entfremdung der Arbeit, es wurden Massenvernichtungswaffen gebaut sowie auch eingesetzt usw.
Die cartesianische Blüte verwelkt und das Resultat offenbart sich mehr und mehr als eine apokalyptische Katastrophe.

Während Descartes das Wesen des Subjektiven noch definierte als „Cogito, ergo sum.“ und damit den menschlichen, höchst subjektiven Geist in den Mittelpunkt seiner Philosophie stellte, gilt heute das Subjektive immer mehr in der Sprache, in der Weltbetrachtung, bei der Lebensgestaltung als irrationaler Störfaktor.
Dass jedoch jedes menschliche Denken und Handeln zutiefst subjektiv ist, wird dabei andauernd vergessen und geleugnet. In letzter Konsequenz gilt vorwiegend nur noch das als objektive und damit „richtige“ Meinung, was scheinbar Altbewährtes, also Tradition, unkritisch reproduziert – ein fataler Trugschluss.

Der Rationalismus ist theoretisch schon längst gescheitert und widerlegt worden. In der Wissenschaftstheorie gilt jede Erkenntnis als subjektiv geprägt und objektive Erkenntnis ist nachgewiesener Maßen unmöglich.
Damit sind alle akademischen Darstellungen von Kausalität rein subjektive Meinungsäußerungen und in nicht annähernder Weise objektiv.
Die Trennung zwischen ausgedehnter und denkender Substanz ist nicht haltbar. Von daher gibt es weder das eine noch das andere als absolute beziehungsweise autonome Wesenheit.

Diese ganz entscheidenden Einsichten sind noch lange nicht in den Köpfern der Bevölkerungsmehrheit angekommen. Andernfalls würde es keine Überbewertung akademischen Expertentums geben und auch das gesamte Schulsystem wäre schon längst fundamental verändert, wenn nicht sogar abgeschafft worden.
Tatsächlich dominiert noch immer die rationalistische Irrlehre das Denken und Handeln der Menschen mit allen negativen Konsequenzen, welche Irrlehren nun einmal mit sich bringen.

Im Rahmen der schulischen Qualifizierung wird jegliche Subjektivität ausgetrieben und als „unvernünftig“ eliminiert. Wer nicht sich selbst zum „rationalen“ Objekt macht und bedingungslos alles Vorgegebene exakt reproduziert gilt als minderwertig. Wer sich nicht der Disziplin unterwirft, nicht beherrschbar und kontrollierbar ist, wird heraussortiert.
So gilt schließlich nur noch die geistlose Reproduktion altbekannter, akademischer „Wahrheit“ als rational, als „richtig“.
Das ist nicht vernünftig sondern unkritisch. Es ist ein primitives Ritual.
Der Musterschüler ist ein obrigkeitshöriger Fachidiot.

Nun wird auf der Grundlage der schulischen Denkschablonen fortlaufend versucht, das eigene Selbst, welches durch und durch subjektiv und niemals angemessen in Worte gefasst werden kann, zu objektivieren.
Die verschulte Jugend empfindet es als rational und „richtig“ mittels scheinbar möglicher Messbarkeit sowie kausaler Reflektion ihr Selbst vor allen Dingen als Objekt zu bestimmen. Notwendiger Weise ist das Ergebnis, dass sie sich als Gegenstand der Marktwirtschaft – wie etwa eine Schaufensterpuppe – empfindet, welche auf mechanistische Weise rationale Entscheidungen trifft.
Ein als positiv empfundenes Selbstwertgefühl entsteht unter diesen Bedingungen, wenn sich das Produkt „Ego“, das Image der „Ich-AG“ als in Geldeinheiten messbarer Konsum erfolgreich präsentieren lässt.

Das alles ist nicht intelligent. Vielmehr ist es passiv.
Vielmehr werden die Menschen durch die eingeimpfte „Objektivität“, welche im Grunde nur reproduktives, befehlsempfangendes Verhalten ist, zu Gegenständen eines zunehmend unmenschlichen Systems.

Dieses System hat zuvor die Natur zerstört und wird schließlich die Menschen selbst bis hin zur Vernichtung ausbeuten:
Wer nicht konsumiert oder nicht konsumieren kann, existiert eigentlich auch nicht mehr.

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Empfohlene Quellen:
auceza: Informationsgesellschaft
auceza: Ego
auceza: Die Gedanken sind frei
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