Nichts ist freier als der Gedanke des Menschen.

David Hume gilt im angelsächsischen Sprachraum als einer der wichtigsten Denker der Menschheit.
Er war ein großartiger Aufklärer.
Noch heute bietet David Humes Werk einen hervorragenden Zugang zur Philosophie und ermöglicht ein breites Verständnis für viele Phänomene der Gegenwart.

Insbesondere Humes Erkenntnistheorie ist bemerkenswert, weil er wesentliche Probleme bei der Bestimmung von Wahrnehmung und Wahrheit ins Bewusstsein rückt. Auf der Basis seiner fundamentalen Skepsis gegenüber den Meinungen und Erkenntnissen, welche in der Welt sind, entlarvte er alle Formen von totalitärer, absoluter „Wahrheit“ als defekte Interpretationen von Sinneswahrnehmungen.

Alles, was der Mensch erkennen und denken kann, ist nach David Hume verwobenen mit dem Subjektiven und kann nicht allgemeingültig oder ewig sein wie beispielsweise nach dem landläufigen Verständnis von Platons Ideenhimmel. Die Erkenntnis des Absoluten, des Objektiven ist prinzipiell nicht möglich. Es erweist sich als unmöglich, eine allgemeingültige Theorie, eine metaphisische „Wahrheit“ verlässlich zu erkennen und damit bleiben derartige Meinungsäußerungen strukturell falsch.
Wie kann etwas Allgemeingültiges behauptet werden, wenn niemand eine derartige Aussage abschließend, mit befriedigender Gewissheit nach ihrem Wahrheitsgehalt überprüfen kann???

Auch die Wissenschaftstheorie der Gegenwart kommt zu ganz ähnlichen Ergebnissen: Objektive Erkenntnis ist unmöglich und jede Aussage eines Menschen bleibt im Wesentlichen subjektiv.
Damit kann David Hume noch heute als einer der bedeutsamsten Denker der Philosophiegeschichte bezeichnet werden.

Der zunächst radikale Skeptizismus David Humes führte ihn in eine schwere Depression: Wer die inneren Wahrnehmungen achtsam beobachtet wird dabei feststellen, dass eine dauerhafte Identität nicht zu entdecken ist. Meines Erachtens finden sich an dieser Stelle der Entfaltung seiner Philosophie bemerkenswerte Analogien zu Schoppenhauers nihilistischer Rezeption buddhistischer Philosophie.
Sofern die aktuell grassierenden depressiven Erkrankungen im Abendland betrachtet werden, ist es durchaus denkbar, dass eine vergleichbare Problematik in der Weltauffassung bei zahlreichen Menschen der Gegenwart vorliegen könnte: Aufgrund der Informationsflut und der vielen Widersprüchlichkeiten darin verzweifeln nicht wenige Menschen, verlieren den „roten Faden“, scheitern dabei in befriedigender Weise eine Identität zu konstruieren.

Später gelangte David Hume zu der Einsicht, dass der radikale Skeptizismus nicht durchhaltbar ist und wurde gemäßigter. Er akzeptierte die Welt als etwas in irgendeiner Weise Vorhandenes, weigert sich jedoch auch weiterhin innerhalb der Weltwahrnehmung etwas Dauerhaftes, Beständiges zu erkennen.
Damit gewinnt er eine dem Buddhismus sehr ähnliche Position.

Es erweist sich als notwendig anzuerkennen, dass die Welt wahrgenommen wird und von daher nicht geleugnet werden kann. Jedoch ist die Welt nicht als etwas „absolut“ Existierendes zu begreifen sondern eher als eine Erscheinung, deren tatsächliches Sein stets rätselhaft und unbegreifbar bleibt.
David Hume stellt zwar nicht den Erscheinungscharakter der Welt in seiner Philosophie explizit fest und belässt es dabei, die wahrgenommene Welt als eine „Arbeitshypothese“ zu akzeptieren. Allerdings ist es sinnvoll, ihn auf diese Weise zu interpretieren.

Manche Akademiker glauben, dass David Hume mit seinem Abrücken vom radikalen Skeptizismus die Welt als wahrscheinlich im Sinne einer Wahrscheinlichkeitstheorie ansieht. Diese Interpretation von Humes Philosophie ist jedoch inkonsistent. Sofern etwas als wahrscheinlich angenommen wird, bedeutet dies implizit auch wiederum, dass eine dauerhafte, objektive Wahrheit in irgendeinem Umfang in den Sinneswahrnehmungen vorhanden ist.
Aber genau dies widerspricht fundamental David Humes gesamter Philosophie.

Die Unterstellung einer Wahrscheinlichkeitsphilosophie degradiert Hume zu einem Wissenschaftstheoretiker in der Art von Karl Popper. Intuitiv erscheint im Falle Poppers durch terminologische Zaubertricks eine Annäherung an objekte Wahrheit möglich. Dies ist jedoch meiner Ansicht nach nicht David Humes Perspektivität.

Gelegentlich hat sich David Hume optimistisch beziehungsweise scheinbar positivistisch geäußert, wenn er beispielsweise wissenschaftlichen und kulturellen Fortschritt in der Welt wahrnimmt und lobt. Allerdings gilt auch hier: es ist eine subjektive Meinung ohne Anspruch auf absolute Wahrheit.
Somit sind diese Äußerungen des schottische Philosophen vermutlich nicht im Sinne Hegels dialektischer Geschichtsphilosophie und ähnlichen Weltanschauungen zu verstehen.

Konsequenter Weise wendet sich David Hume auf der Grundlage seiner erkenntnisphilosophischen Einsichten gegen absolute Macht und totalitäre Herrschaft. Er gegrüßt die Gewaltenteilung und symphatisiert mit demokratischen Strukturen.
Da die menschliche Erkenntnisfähigkeit stets subjektiv geprägt ist und niemand über eine objektive Sicht der Dinge verfügt, kein Mensch in verlässlicher Weise tatsächlich ein „Besserwisser“ sein kann, ist die Verteilung von Macht im Sinne eine Demokratie zu befürworten. So stellt Hume fest:
„Nichts ist freier als der Gedanke des Menschen.“

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