Ökofaschismus

—Wenn ein grüner Apfel anfängt zu faulen, wird er braun.—

Während der letzten Jahrzehnte rückte die Umweltverschmutzung zunehmend in das öffentliche Bewusstsein. Eine ganze Reihe von Publikationen klärte die Bevölkerung umfangreich darüber auf, dass die Industrieproduktion massiv die Natur und letzten Endes auch den Menschen schädigte.
Diese Aufklärung führte zu einer erhöhten Sensibilität für die Wechselwirkungen zwischen Kultur und Natur.

Seither werden den externen Effekten der industriellen Fertigung, also den schädlichen Nebenwirkungen der Massenproduktion, auch in den Wirtschaftswissenschaften eine größere Bedeutung beigemessen. Umweltfreundlichkeit und Bioproduktion dienen mittlerweile sehr oft als Marketingargumente.

Um das Problem der Zerstörung unserer biologischen Basis zu lösen, wurden verschiedene Konzepte entwickelt, welche bis heute nur teilweise erfolgreich sind: die Umweltverschmutzung konnte nicht gestoppt, sondern nur regional eingedämmt werden.
In vielen Fällen wurde die Vernichtung der Natur in die Entwicklungs- und Schwellenländer exportiert.
Oftmals vertreiben überzogene Umweltschutzauflagen die Unternehmen in Regionen, wo sie noch sehr viel umweltschädigender produzieren können – beispielsweise in Indien oder China. Gleichzeitig importieren die teilweise deindustrialisierten abendländischen Gesellschaften zunehmend Konsumgüter aus eben denselben Ländern.
Auf diese Weise wird plötzlich Umweltschutz zu einem globalen Problem und erscheint nur noch durch internationale Zwangsmaßnahmen lösbar: Die Umweltverschmutzung kennt keine nationalen Grenzen.
Warum scheitern die Umweltschutzbemühungen so oft???
Ist ein globaler Ökofaschismus unser letzter Ausweg aus diesem Dilemma???

Als erste Reaktion auf die Kritik von der Umweltschutzbewegung haben die neoliberalen Ökonomen versucht, die mannigfaltigen Probleme zu leugnen und mit Gegendarstellungen die Menschen davon zu überzeugen, dass die Natur sehr viel belastbarer sei als wir glauben und sich schnell wieder erholen wird.
De facto haben diese Akademiker aufgrund ihrer ignoranten Haltung die kapitalistische Umweltvernichtung gefördert und sinnvolle Lösungsanätze hinausgezögert. Ihre Beweggründe dafür ergaben sich aus zahlreichen korrupten Verflechtungen von wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Interessen.

Schließlich hat sich auch bei einigen Ökonomen die Einsicht durchgesetzt, dass allein mit Lügenmärchen das bestehende System nicht dauerhaft verteidigt werden kann. Deshalb haben sie versucht, im Rahmen der ökonomischen Theorie Strategien zum Umweltschutz zu entwickeln, welche eigentlich nur die neoliberale Ideologie retten sollten. Ihre Zielsetzung war es dabei immer, das marktwirtschaftliche System durch kleinere Systemkorrekturen zu erhalten.

So definieren die Anhänger der neoliberalen Weltanschauung neuerdings die Umwelt als ein öffentliches Gut, obwohl sie lange Zeit vehement für die konsequente Privatisierung der Natur und des Staatswesens eingetreten sind.
Sie wollen also die Profite, welche aus der Verwüstung der Natur resultieren, auch weiterhin bei den Unternehmen belassen, indem sie eine strikte Trennlinie zwischen privat- und staatswirtschaftlicher Sphäre konstruieren.
Es können die Kosten der Umweltzerstörung kaum annäherungsweise errechnet werden. Vermutlich übersteigen diese Kosten in nicht wenigen Fällen bei Weitem den Gewinn.
Obgleich eindeutig kapitalistische Organisationen externe Effekte wie beispielsweise die Vernichtung unserer biologischen Existenzgrundlage verursachen, sollen diese Auswirkungen unternehmerischen Handelns als ein öffentliches Problem, im Endeffekt als ein Staatsversagen dargestellt werden.
Obgleich Wirtschaftsunternehmen erst dann als besonders erfolgreich gelten, wenn sie zunehmend mit hohen Absatzmengen öffentliche Interessen berühren, wollen neoliberale Theoretiker den größten Teil der tatsächlichen Produktionskosten, nämlich beispielsweise die Umweltverschmutzung, der Allgemeinheit aufbürden.
So findet eine versteckte Umverteilung statt: wenige Kapitalisten profitieren während die Allgemeinheit zunehmend verarmt.
Sofern dieses Leitprinzip der Martkwirtschaft nicht funktionierte, wurde vielfach die Produktion eingestellt, weil sie dann nicht mehr ausreichend profitabel war.
Warum misslingt es der reinen marktwirtschaftlichen Lehre, eine Güterproduktion zu verwirklichen, welche nicht systematisch Natur und Mensch vernichtet???

Mit zunehmenden Erfolg der rationalistischen Ökonomisierung wuchs auch gleichzeitig die Menge von externen Effekten, möglicherweise sogar überproportional.
Es wurden neuartige Technologien von den Kapitalisten sofort dazu benutzt, um Konsumgüter mit Gewinninteresse zu vermarkten. Hingegen wurde die kritische Technologiefolgenabschätzung regelmäßig ignoriert oder im Rahmen von manipulierender PR gezielt diffamiert.
Gerade bei neuartigen Produkten sind die längerfristigen Folgekosten noch weitgehend unbekannt, die zahllosen kulturellen Wechselwirkungen unerforscht. Deshalb sind diese Produkte besonders attraktiv für die Kapitalisten. Sie machen Gewinne mit schädlichen Produkten bis der öffentliche Druck wächst. Von daher produziert der Kapitalist meistens so lange bis schließlich die negativen externen Effekte nachgewiesen und in Rechnung gestellt werden können.
Dieses Verhaltensmuster ist überall zu bemerken und erscheint symptomatisch für kapitalistische Gesellschaften. Es wird versucht, durch manipulatives Marketing Kaufanreize zu setzen und jegliche Kritik an den Produkten systematisch zu zerstreuen.
Das Problem der externen Effekte, welches mehr oder weniger als ein Randphänomen ökonomischer Theorienbildung aufgefasst wird, ist das zentrale Problem der marktwirtschaftlichen Theorie und hat den Kapitalismus ad absurdum geführt.

Innerhalb der neoliberalen Theorie der öffentlichen Güter wird zunächst eine Grenzziehung zwischen öffentlichen und privaten Gütern vorgenommen. Gerade bei dieser Definition von öffentlichen Gütern werden maßgebliche Zusammenhänge einfach „übersehen“.
Es gelingt überhaupt nur sinnvoll diese Trennung vorzunehmen, wenn die Perspektivität zeitlich begrenzt wird. Langfristig betrachtet ist es immer so, dass alle gesellschaftlichen Systeme sich gegenseitig beeinflussen. Von daher gilt grundsätzlich, dass alle wirtschaftlichen Güter langfristig öffentliche Güter sind, weil die Konsumfolgen auf lange Sicht die Interessen aller Kulturmitglieder berühren. Es gilt der Schmetterlingseffekt.
Nur dadurch, dass die Perpektivität verkürzt und eine theoretische Halbblindheit erzeugt wird, erscheint plötzlich die Annahme einer Dichotomie zwischen öffentlichen und privaten Gütern als akzeptabel.

Allerdings ergibt sich die Tendenz, dass die künstlich erzeugte Kurzsichtigkeit immer dramatischer wird: Es lässt sich nur noch sehr kurzfristig halbwegs sinnvoll eine Grenze zwischen privaten und öffentlichen Gütern ziehen. Je komplexer unsere Kultur wird, desto eher findet ein fließender Übergang von privaten hin zu öffentlichen Gütern statt.
Die wachsende Myopie der neoliberalen Ökonomen führt dazu, dass plötzlich ein enormer Zeitdruck entsteht. Die Marktwirtschaft erscheint schnelllebiger, weil sie nur noch immer kurzfristiger als Turbokapitalismus funktioniert: möglichst schnell muss der Gewinn erwirtschaftet werden, weil relativ zügig die Externalität nachgewiesen, die Produktion unprofitabel wird und wieder eingestellt werden muss.

Auf der Basis der Theorie der öffentlichen Güter wurde ein Konzept entwickelt, um mit einem staatlich inszenierten Emissionsrechtehandel die Naturzerstörung zu begrenzen. Die grundlegende Idee dabei ist es, dass nicht nur Güter auf den Märkten erwerbbar sind, sondern auch negative Güter, also Antigüter, marktfähig werden sollen.
Deshalb kann nun das verbriefte Recht zur Umweltvernichtung auf Märkten gekauft werden. Auf diese Weise sollte die Störung des ökologischen Gleichgewichts preislich bewertet und mit Hilfe von marktwirtschaftlichen Methoden beseitigt werden.
Theoretisch könnten nach dem Prinzip des Emissionshandels auch viele andere Misstände beseitigt werden: Beispielsweise könnte die Marktwirtschaft fundamental durch die Kommerzialisierung von Antigütern wie Mord, Totschlag, Vergewaltigung, Körperverletzung, Ehebruch, Folter, Freiheitsberaubung alles Elend aus der Welt schaffen.
Würde der freie Handel mit Mordrechten vielleicht die Probleme der Kriminalität und der Überbevölkerung auf antichristliche Art lösen???

Letzten Endes kann der Emissionsrechtehandel nur dazu führen, dass staatliche Instutionen bestimmen, welche Umwelteinflüsse schädlich sind. Die staatlichen Instituionen werden aufgrund des grassierenden Lobbyismus wiederum von Unternehmensinteressen dominiert.
Für die Wirtschaftskonzerne ist es kostengünstiger und wirksamer, einige Politiker zu korrumpieren und ein paar „Experten“ zu kaufen als über die Massenmedien manipulative PR-Kampagnen durchzuführen.
Viel schlimmer aber noch als der Lobbyismus ist bei diesem Instrument, dass die Sorge um unsere natürliche Lebensgrundlage an wenige staatliche Institutionen delegiert wird. Nur ein paar Expertengremien und Politiker legen fest, was in welchem Umfang umweltschädlich ist und schließlich konsumiert werden darf.
Insgesamt liegt beim Emissionsrechtehandel eine Art von Etikettenschwindel mit Alibifunktion vor, wodurch eine sinnvolle Lösung der Umweltprobleme erschwert wird: Mit Hilfe eines kaum überschauberen Systems wird der Eindruck erweckt, dass nun das Problem der externen Effekte durch willkürliche Internalisierung gelöst werden kann.
Im Endergebnis werden nur die Bürger beliebig in ihrem Konsum gegängelt und die Industrie kann über den Lobbyismus relativ genau steuern, welches Recht zur Umweltzerstörung zu welchen Preisen gehandelt wird.
Eine an den Emissionen orientierte Steuer wäre erheblich transparenter, weniger korrupt und effektiver gewesen.

Obwohl die neoliberale Theorie aufgrund des Problems der externen Effekte als gescheitert angesehen werden kann, mögen sich dennoch viele Ökonomen nicht von ihren widersinnigen Weltvorstellungen verabschieden.
Dabei wird im Rahmen eines ganz besonders demokratiefeindlichen Extremismus versucht, grundsätzlich alle externen Effekte durch staatliche Institutionen zu internalisieren: Wenige Experten und Staatslenker berechnen dann relativ genau, in welchem Umfang welche Form von Umweltverschmutzung zugelassen wird.
So trauen sich einige größenwahnsinnige Akademiker zu, alle Externalitäten überschauen und eine sinnvolle Lösung anbieten zu können. Sie wollen letzten Endes genau bestimmen, was welcher Bürger in welchem Umfang zu konsumieren hat. Sie wollen möglichst exakt festlegen, wieviel Wachstum einer Volksgemeinschaft und auch im Detail dem Individuum erlaubt werden darf.
Sie wollen einen ökonomischen Ökofaschismus konstruieren.
Der Ökofaschist hält weiterhin am Irrglauben fest, dass alle kulturellen Problemlagen mit rationalistischen Prinzipien lösbar sind und mag nun die gesamte Kultur so regulieren und beherrschen, dass die Natur möglichst unversehrt bleibt.

Allerdings verursachen diktatorische beziehungsweise oligarchische Zwangssysteme das Versiegen unserer innovativen Potentiale. Unsere Umweltprobleme sind wie alle übrigen kulturellen Problemlagen jedoch nur auf dem Wege der Innovation lösbar.
Der grünbraune Ökofaschismus verhindert durch planwirtschaftliche Kontrolle und weitreichende Bevormundung der Bürger die Innovation und die kulturelle Weiterentwicklung.
So werden notwendiger Weise die Konsumbegrenzungen durch die tyrannischen Ökofaschisten zunehmend rigider bis schließlich die elementarsten menschlichen Bedürfnisse nicht mehr befriedigt werden können.

Insgesamt sind die Grünen, als eine für ihre rigiden ökologischen Gesetzesvorschläge bekannte Partei, meiner Meinung nach nicht fähig, das Problem der Umweltzerstörung innerhalb demokratischer Strukturen zu lösen.
Viele ihrer Überlegungen zielen auf die Verwirklichung eines grünbraunen Ökofaschismus: Sie wollen den Konsum der Menschen kontrollieren und reduzieren. Sie wollen den Menschen die Freiheit rauben und damit in letzter Konsequenz die Demokratie abschaffen.

Um unsere Umweltprobleme zu lösen, bedarf es eines anderen Ansatzes: nicht weniger Demokratie hilft bei der Lösung unsere kulturellen Probleme, sondern mehr demokratische Freiheit und Aufklärung.
Einstmals war die ökologische Bewegung der Grünen tatsächlich ein grüner Apfel: Sie hat dabei geholfen, die notwendige Aufklärung über die Umweltvernichtung voranzutreiben. 😀
Heute jedoch hat dieser grüne Apfel braune Stellen bekommen: Er fängt an zu faulen. Ich fürchte, dass uns die Ökologiebewegung immer mehr in einen menschenverachtenden, antidemokratischen Ökofaschismus führt!!! :( :( :(

So erscheint es mir, Deine Umweltfreundin Auc

P.S.: Alles, was geboren wird, muss auch sterben.

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3 Responses to “Ökofaschismus”

  1. Alain sagt:

    Super Artikel.Ich habe ein paar schöne Gedankenanstoesse bekommen. Freue mich schon auf weitere Posts.

  2. Melvon sagt:

    Hast du noch mehr Inforationen darueber ?

  3. Vorname sagt:

    Hey! ich finde diesen Beitrag interessant. Dankeschön! :)

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