Orientierungswaisen als Wirtschaftsweise

Re: Ökonomische Konsenssoße mit viel Licht und viel Schatten
Der gelegentlich diskutierte INET-Bericht sowie die darin präsentierten Ergebnisse empfinde ich nicht als enttäuschend. Er ist sicherlich ein Armutszeugnis, wenn nicht sogar ein „epic fail“.
Jedoch ist die Erwartungshaltung regelmäßig zu hoch, wenn den etablierten Ökonomen die Entwicklung von sinnvollen Lösungsansätzen für die Eurokrise zugetraut wird.

Die überwältigende Mehrheit der „Wirtschaftsexperten“ hat doch schon die Entstehung der amerikanischen Finanzkrise nicht begriffen und auch nicht rechtzeitig davor gewarnt. Es ist diesen Fachleuten bestenfalls ansatzweise gelungen, die sich anschließende Weltwirtschaftskrise umständlich sowie unbefriedigend zu rekonstruieren.

Dass die Finanzkrise in den USA unmittelbar den Zusammenbruch des Euro nach sich ziehen wird, war nicht wenigen Kritikern der herkömmlichen ökonomischen Dogmatik klar. Die Zusammenhänge waren überdeutlich erkennbar, wenn die Bauruine der gesamten traditionellen Theorie missachtet worden ist.
Wenn jedoch hingegen auf akademischer Basis „fachlich“ kompetent die Situation dargestellt wird, gab es lange Zeit gar keine Krise. Es gab so lange keine Krise bis sich eine Reihe von europäischen Staaten dem Bankrott näherten und sogar für jeden Laien die Gefährlichkeit der Situation offensichtlich war. Dann plötzlich haben auch die renommierten Akademiker eine Krise bemerkt. Dann begannen sie damit, alles zu erklären.

Da war es aber schon zu spät. Von einem Autofahrer wird erwartet, dass er vorausschauend fährt und nicht erst nach dem Unfall allen erklären kann, dass gerade ein Unfall stattgefunden hat. Weil Ökonomen die Entstehung der Weltwirtschaftskrise oder auch der Eurokrise im Wesentlichen nicht vorausschauend bemerken konnten, haben sie am „Steuer“ der politischen Entscheidungsfindung nichts mehr zu suchen. Sie haben sich selbst disqualifiziert.

De facto ist die Eurokrise schon erledigt. Die Währungsunion ist nicht mehr in ihrem gegenwärtigen Bestand zu retten. Sie wird ganz sicher zerbrechen.
Es geht jetzt nur noch darum, in welcher Form sich dieser Prozess vollzieht. Schlimmstenfalls wird durch das Missmanagement sowie die chronische Realitätsverweigerung der Bundesregierung und anderen die Eurozone bis zum wirtschaftlichen Super-GAU heruntergewirtschaftet.

Das Problem ist so betrachtet nicht mehr der Euro sondern die absurden Rettungsbemühungen dieser Währung. Die aus der „Eurorettung“ resultierenden Folgekosten und Langzeitschäden könnten die europäische Region derartig ruinieren, dass wir dann von den Verhältnissen in der sogenannten „Dritten Welt“ nicht mehr allzu weit entfernt sind.
Das kann sich natürlich niemand vorstellen. Es konnte sich seinerzeit auch kaum jemand vorstellen, dass wir im Jahr 2012 eine schwere Eurokrise haben werden.

Die Ökonomen sind systematisch nicht fähig, die Komplexität der Entwicklungen zu überschauen. Ihre weltfremden Theorien wirken wie Scheuklappen, so dass regelmäßig das Wesentliche ausgeblendet wird. Es ist im Grunde sogar Zeitverschwendung auf der Basis der verblendeten ökonomischen Terminologie zu diskutieren:
Die Wirtschaftswissenschaftler können die Probleme nicht lösen.

Erst mit der Entmachtung wirtschaftswissenschaftlicher Definitionshoheit bei Themen der „gesellschaftliche Entwicklung“ können wir auch in Europa wieder auf einen wirtschaftlichen Wachstumskurs zurückgelangen beziehungsweise Hoffnung schöpfen.
Dabei ist Wachstum und gesellschaftliche Entwicklung nicht nur als ein quantitatives „Höher, Schneller, Weiter“ zu begreifen sondern als die Fähigkeit ungünstige Entwicklungen effektiv zu beiseitigen und endlich die massiven kulturellen Problemberge aufzulösen.

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