Pixel – Love

Das Internet verändert vieles. Auch das Gefühlsleben muss sich auf diese neuen Herausforderungen einstellen. Insbesondere das Phänomen der Pixel – Love ist dabei bemerkenswert.

Im Internet herrscht vielfach eine gewisse Anonymität.
Gleichzeitig ist es auch ein Ort der grenzenlosen Vorstellungskraft.
Die Gedanken sind frei.
Wir können anderen Menschen und ihren innersten Phantasien begegnen, ohne sie jemals auf der Straße, in der U – Bahn oder irgendwo in der realen Welt getroffen zu haben.

In 3-D-Chatrooms und auch bei den vielen MMORPGs entwerfen die User zunächst einen Avatar. Dabei bestimmen sie die Erscheinung und viele charakterliche Facetten der virtuellen Persönlichkeit. Die virtuelle Figur kann durchaus abweichen von der sogenannten Real-life-Existenz. Der Phantasie sind dabei kaum Grenzen gesetzt.

Es wird möglich, eine Traumwelt voller Zauber und Magie jenseits des Alltäglichen zu betreten. In dieser Welt präsentieren sich die agierenden Personen vielfach mit Wunschbildern ihres eigenen Selbst. So findet ein Spiel mit den Identitäten statt. Dies spiegelt sich dann auch in den Beziehungen der Akteure untereinander wieder.
Das Ganze hat eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit dem klassischen Theater.

Von daher haben die normativen Zwänge unserer Gesellschaft nur noch eine sehr eingeschränkte Bedeutung und werden gelegentlich sogar ebenso wie physikalische Gesetzmäßigkeiten völlig außer Kraft gesetzt. Die Virtualität ist oftmals ein tabuloser Maskenball.

Im Rahmen dieses Maskenballs erfährt die Liebe eine neuartige Erscheinungsform und wird nicht selten zu einer Pixel – Love. Pixel sind dabei die zahlreichen winzigen Farbpunkte, aus denen sich die virtuelle Welt zusammensetzt.
Pixel – Love bedeutet, sich in die Gestalt des Avatars, in das vom anderen präsentierte, oftmals ersehnte Selbstbild zu verlieben. Letzten Endes findet das Verlieben in eine fiktive, nicht real existierende Figur statt.
Solche Dinge waren vor der Entstehung von virtuellen Internet – Welten nur in den intimsten Träumen des Einzelnen möglich. Nun jedoch können derartige Phantasien mit Hilfe von Pixeln Gestalt annehmen und es kann gemeinsam geträumt werden.

Während die Pixel – Love in der virtual reality an Bedeutung gewinnt, nimmt gleichzeitig im real – life die Vereinsamung immer mehr zu, wird das Single – Dasein zu einem Massenphänomen.

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