Vogelfreie, Piraten und andere Feinde der Tyrannei

Aus der Sicht jedes Regimes sind Kritiker, Abweicher von den gesellschaftlichen Normen und innovative Menschen stets unerwünscht, wenn nicht sogar kriminell. Daran hat sich nichts geändert und daran wird sich auch niemals etwas ändern.
Je umfangreicher die Bemühungen um eine gesellschaftliche Verbesserung sind, umso eher werden sie kriminalisiert.

Es ist sicherlich nicht so, dass Wegelagerer, Räuber und Freibeuter stets rechtschaffende Menschen sind wie etwa der legendäre Robin Hood. Allerdings ist es so, dass der Widerstand gegen herrschende Tyrannei von den Ordnungskräften immer als Verbrechertum bezeichnet wird.

Kriminelle Karrieren beginnen mit der Abweichung von bestehenden gesellschaftlichen Normen. Die Gründe hierfür können vielseitig sein.
Eine Normabweichung muss nicht unbedingt schlecht oder schädlich sein.

Da sich jede Kultur ständig im Wandel befindet und statische Gesellschaften immer wieder zerbrechen aufgrund einer hohen Dynamik der kulturellen Umwelt, ist die kontinuierliche Weiterentwicklung der Gesellschaft zwingend erforderlich. Jede Veränderung beginnt damit, dass tradierte Verhaltensmuster nicht akzeptiert, kritisiert und von ihnen abgewichen wird.

Aus dieser Perspektive heraus ist Normabweichung, ist Kriminalität für jede Gesellschaft überlebensnotwendig.
Je zementierter und unflexibler die gesellschaftlichen Verhältnisse sind, desto unnachgiebiger wird jegliche Form der Normabweichung verfolgt und kriminalisiert. Die dabei zunehmend brutaler werdenden Methoden der Herrschenden führen dann zur Tyrannei.

Wegen der hohen technologischen Innovationsrate in unserer Kultur stoßen immer mehr Bürger an ihre Grenzen. Augrund der begrenzten Rationalität jedes Menschen ist auch die Fähigkeit zur flexiblen Anpassung nicht unbeschränkt, ist auch das „lebenslange“ Lernen nicht beliebig strapazierbar.

Wachsende Orientierunglosigkeit und Anpassungsunfähigkeit bringen Ängste mit sich und es ist verständlich, dass viele Bürger sich nach mehr Sicherheit sehnen.
Dabei biedern sich insbesondere konservative Verführer an. Sie versprechen, dass alles Gute so bleiben kann wie es ist, wenn denn nur das Wesentliche der Tradition, der rote Faden bewahrt wird.

Allerdings sind gerade die konservativen Kräfte jene, die am wenigsten mit der kulturellen Veränderungsdynamik klarkommen und keine innovativen Lösungen haben. Aufgrund ihrer Ideen- und Konzeptlosigkeit mögen sie einfach die Erfolge der Vergangenheit nach Schema F reproduzieren.
Das ist zum Scheitern verurteilt, weil die Lösungen von gestern keine Lösungen für heute, morgen oder übermorgen sein können.

Gleichzeitig sind es die konservativen Kräfte, die ewig Gestrigen, welche am vehementesten Normabweichungen verfolgen und kriminalisieren, sich als Law&Order-Fraktion präsentieren: Sie sind regelmäßig die Dienstboten und Bücklinge überalteter Herrschaftsstrukturen.

Der Widerstand gegen den Staatsterror, gegen den Machtmissbrauch, gegen Korruption, gegen den alten Filz und Gammel kommt von den progressiven gesellschaftlichen Kräften, den Verfolgten, den oftmals Kriminalisierten.

So beinhaltet ein Piratenschatz der Normabweichler stets innovative Lösungen für kulturelle Krisen, während hingegen der (Ideen-)“Reichtum“ der Konservativen immer mit dem Blut der Unschuldigen besudelt ist.

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